05/02/2026 0 Kommentare
Junge Ideen für alte Steine
Junge Ideen für alte Steine
# Petershagen

Junge Ideen für alte Steine
Was bleibt, und was wird? Um neue Perspektiven für die Weserkirchen im Petershäger Raum ging es bei einem Workshop im Gemeindehaus Windheim. Was kann aus den Denkmalkirchen in Friedewalde, Petershagen, Lahde, Windheim, Ovenstädt, Buchholz, Heimsen und Schlüsselburg werden? Das Besondere dabei: Die Antworten sollten aus der Jugend kommen.
Die Kirche im Mindener Land ist im Wandel. Mehr als Kirchenaustritte ist es der demographische Wandel, der neue Lösungen für alte Strukturen verlangt. In dieser Situation hat sich der Ev. Kirchenkreis Minden einem groß angelegten Zukunftsprozess verschrieben. In vier Planungsräumen arbeiten die Gemeinden zusammen an neuen Ideen für das kirchliche Leben. Eine große Frage betrifft dabei die Gebäude der Gemeinden. 40 Prozent der Kosten für die Strukturgebäude, also Kirchen, Gemeindehäuser und Gemeindezentren, müssen eingespart werden. Im gesamten Kirchenkreis werden jetzt neue Konzepte erarbeitet, wie die Gebäudelandschaft weiterentwickelt werden kann.
„Kann das weg - oder wird das neu?“ Mit dieser provokanten Frage hatten Pfarrerin Esther Witte und Gemeindeberaterin und Coach Helga Trölenberg den Workshop am 31. Januar im Gemeindehaus Windheim überschrieben. Ort und Titel waren bewusst gewählt. Der Workshop sollte neues Denken anregen, und gleichzeitig sollte der Kern der Sache direkt vor Augen liegen: durch das Fenster des Gemeindehauses blickten die Teilnehmenden auf die imposante Windheimer Kirche. Möglich wurde der Workshop nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung von Aller.Land, dem bundesweiten Programm für Kultur, Beteiligung und Selbstwirksamkeit im ländlichen Raum.
Gekommen waren nicht nur junge Gemeindeglieder. Auch die Presbyterien der Gemeinden im Planungsraum Petershagen hatten Delegierte geschickt. Eigentlich sollten sie als Antwortgeber in einer Frage-und-Antwort-Runde die Sachperspektive beisteuern, doch sie wurden schnell zu einer eigenen Interessengruppe. Ihnen gegenüber saßen junge Erwachsene, die aus der kirchlichen Jugendarbeit die jüngere Innenperspektive abbilden konnten, sowie Jungen und Mädchen aus Esther Wittes Konfi-Gruppen: nochmals jünger, noch weniger in den kirchlichen Strukturen verwurzelt. Spannend fanden die beiden Workshop-Leiterinnen die Dynamik, die sich zwischen den Gruppen entwickelte. „Wir hatten die Altersgruppen erst zweigeteilt“, berichtet Helga Trölenberg, „und dann haben sich die ganz jungen noch einmal abgetrennt“. Was konfrontativ klingt, hatte kreatives Potenzial: „Es ist zu einem echten Dialog geworden“, freut sich Esther Witte.
Um Entscheidungen zur Zukunft einzelner Gebäude ging es bewusst nicht. Auch das touristische Potenzial der Weserkirchen, die Vor- und Nachteile des Denkmalschutzes oder andere Nutzungsformen spielten nur eine Nebenrolle. Stattdessen ging es darum, ein Bild für die Zukunft der Kirchen zu zeichnen. Geholfen hat dabei die Design-Thinking-Methode, die Helga Trölenberg als ausgebildete Psychologin und Coach einbrachte: Das Thema wurde erkundet, Personas entwickelt, um die verschiedenen Bedürfnisse zu verstehen, und Storyboards für die Zukunft der Kirchen entworfen.
Besonders für die älteren Anwesenden, mit ihrer eigenen Verbindung zu den Gebäuden im Gepäck, war es manchmal überraschend, die anderen Perspektive zu hören. „Wir bringen die Kirche unserer Kindheit mit“, erklärt Helga Trölenberg. Dass dies eigentlich kein Hindernis ist, wurde erst deutlich, nachdem sie die älteren Teilnehmenden fragte, wie es denn bei ihnen selbst war. Da ähnelten ihre Erinnerungen schnell den Wünschen der Jüngeren: die Kirche als Ort, an dem man sich treffen, Dinge erleben oder Freundschaften knüpfen konnte. Ein Ort, an dem man auch einfach runterkommen kann.
Alte Selbstverständlichkeiten gehörten auf den Prüfstand, so die Annahme, dass jede Generation die Kirchen in der bestehenden Form und Nutzung lieben müsste. „Das müssen sie nicht“, stellt die Gemeindeberaterin klar. „Das war früher auch nicht so.“ Eine Besichtigung der Windheimer Kirche zeigte, wie viel Veränderungen die Kirche seit ihrem Bau erfahren hat. Aussehen, Einrichtung und Nutzung sind immer mit der Zeit gegangen, weiß Helga Trölenberg.
Was immer da war, war das Bedürfnis nach einem Ort, den man sich erobern kann, an dem man einfach sein kann. Das gelte selbst für die Generation, die sich die sozialen Medien als eigenen Ort gesucht habe. „Wir müssen einen Ort verfügbar machen, aber nicht das Resultat“: Das ist für Helga Trölenberg die Erkenntnis des Workshops. „Oder etwas flacher gesagt: Die Bude muss offen sein.“
Die Ergebnisse des Workshops werden in den Zukunftsprozess im Raum Petershagen einfließen. Für Pfarrerin Esther Witte und Helga Trölenberg steht jedoch schon fest, dass es etwas ist, auf dem man aufbauen kann.
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